Wie lange kann ein Regentropfen in einem Gletscher gefroren bleiben?
Hast du schon einmal einen Eiswürfel gehalten und gespürt, wie deine Hand kalt und nass wird? Hoch in den Bergen und ganz weit im Süden der Erde gibt es riesige Flüsse aus Eis. Sie heißen Gletscher. Da gibt es eine spannende Frage: Wie lange kann ein Regentropfen in einem Gletscher gefroren bleiben?
Auf einem Gletscher ist die Luft sehr kalt. Deshalb fällt das Wasser aus den Wolken als Schnee statt als Regen. Unser kleiner Tropfen landet als winzige Schneeflocke auf dem Gletscher.
Dort oben bleibt der Sommer zu kalt, um den ganzen Schnee zu schmelzen. Deshalb schmilzt unsere Schneeflocke nicht weg. Im nächsten Winter fällt neuer Schnee direkt auf sie, wie eine frische weiße Decke.
Jahr für Jahr häuft sich mehr Schnee an und begräbt unsere Schneeflocke immer tiefer. Der ganze Schnee darüber ist schwer, wie ein riesiger Stapel Kissen. Was passiert wohl mit dem weichen Schnee ganz unten, wenn dieses Gewicht auf ihn drückt?
Das Gewicht presst den alten Schnee fest zusammen und drückt die Luft zwischen den Flocken heraus. Nach und nach wird aus dem lockeren Schnee hartes, klares Eis. Jetzt steckt unser kleiner Tropfen gefroren im Gletscher, tief unten in der Kälte und Dunkelheit.
Ein Gletscher steht aber niemals still. Sein schweres Eis kriecht bergab, langsamer als eine Schnecke. Dabei nimmt es unseren gefrorenen Tropfen mit.
Am unteren Ende des Gletschers ist die Luft wärmer. Dort schmilzt das Eis und fließt in kleinen Bächen davon. Oder große Eisstücke brechen ab und treiben im Meer weiter. Dort wird unser Tropfen schließlich wieder zu Wasser.
Der Tropfen bleibt also so lange gefroren, wie seine Reise durch den Gletscher dauert. In einem Gebirgsgletscher erreicht das Eis nach ein paar Hundert Jahren das warme Ende. Als dieser Schnee fiel, waren selbst die Großeltern deiner Großeltern noch nicht geboren.
Ganz im Süden der Erde liegt ein kaltes Land namens Antarktis. Ein Eisschild bedeckt es. Ein Eisschild ist ein Gletscher, der so riesig ist, dass er ein ganzes Land bedeckt. An den dicksten Stellen reicht das Eis so tief hinunter, wie ein großer Berg hoch ist.
Tief im Eisschild bewegt sich das älteste Eis kaum, und warme Luft erreicht es nie. Forschende haben dort tief ins Eis gebohrt. Sie haben Eis gefunden, das seit mehr als einer Million Jahren gefroren ist. Dieses Eis lag schon dort, bevor es Menschen wie uns auf der Erde gab.
Unser besonderes Wort heute: Eisschild. Ein Tropfen, den neuer Schnee begräbt, bleibt gefroren, bis das kriechende Eis ihn zum warmen Ende trägt, in einem Gebirgsgletscher ein paar Hundert Jahre, doch tief in einem Eisschild bewegt sich das Eis kaum und bleibt deshalb mehr als eine Million Jahre gefroren.
Wenn du das nächste Mal Schnee fallen siehst, kannst du dir vorstellen, wie eine winzige Flocke ihren langen, stillen Schlaf im Eis beginnt.









