Wie platzen manche Samenhülsen auf und schleudern ihre Samen heraus?
Plopp! Das Geräusch im sonnigen Garten kam vielleicht von einer Pflanze und nicht von einer Seifenblase. Vielleicht hast du schon Samen neben einer leeren Hülle liegen sehen und dich gefragt: Wie platzen manche Samenhülsen auf und schleudern ihre Samen heraus?
Eine Samenhülse ist eine kleine Hülle, die eine Pflanze um ihre Samen wachsen lässt. Sie schützt die Samen, solange sie heranwachsen. Manche Samenhülsen öffnen sich langsam, andere springen plötzlich auf.
Verschiedene Pflanzen haben dafür verschiedene Tricks. Schauen wir uns den Ginster an, einen Strauch mit gelben Blüten und langen, schmalen Samenhülsen. Wenn eine Blüte verblüht, lässt die Pflanze an ihrer Stelle eine Hülse wachsen. Darin sitzen die Samen.
Zuerst bleibt die Samenhülse grün und biegsam, während die Samen wachsen. Später sind die Samen fertig entwickelt und die Hülse wird braun. Bei trockenem Wetter verliert die Hülse Wasser. Dadurch ziehen sich ihre Wände zusammen.
Die Wände der Hülse bestehen aus mehreren Schichten. Beim Trocknen ziehen sich diese Schichten unterschiedlich stark zusammen und ziehen aneinander. Deshalb möchte sich jede Seite der Hülse verdrehen.
Was passiert wohl, wenn sich die Seiten verdrehen wollen, aber noch zusammenhalten? Es baut sich Spannung auf. Das ist eine Zugkraft, ähnlich wie bei einem biegsamen Lineal, das du krümmst und festhältst: Es möchte zurückschnellen.
An der Hülse gibt es Nähte. Das sind die Linien, an denen ihre beiden Seiten zusammenhalten. Die Nähte halten die Seiten fest, obwohl die trocknenden Wände daran ziehen. Je weiter die Wände trocknen, desto stärker wird die Spannung an den Nähten.
Schließlich ziehen die Seiten stärker, als die Nähte halten können. Die Nähte reißen auf und die Seiten der Hülse verdrehen sich mit einem Mal. Plopp! Nun hält nichts die Seiten mehr zusammen.
Bei dieser schnellen Drehung schleudern die Seiten die Samen aus der Hülse. Die Samen springen nicht von selbst: Die beweglichen Wände geben ihnen einen Schubs. Manche landen in der Nähe, andere weiter weg vom Ginster.
Wenn sich die Samen verteilen, finden einige einen Platz, an dem ihnen weniger andere Pflanzen Licht und Wasser wegnehmen. Nicht jeder Samen wächst zu einer Pflanze heran. Doch an einem passenden Platz kann ein Samen wachsen, wenn er Wasser, Luft und Wärme bekommt.
Samenhülse, trocknende Wände, Spannung, aufreißende Nähte, sich verdrehende Seiten, verstreute Samen. Manche Samenhülsen platzen auf und schleudern ihre Samen heraus, weil ihre Wände beim Trocknen ziehen, bis die Nähte reißen und die Seiten auseinanderschnellen.
Wenn du das nächste Mal eine leere Samenhülse siehst, kannst du an den kleinen Schwung denken, der ihre Samen auf Reisen geschickt hat.









