Was verändert sich auf dem Waldboden, wenn ein Baum umfällt?
Bist du bei einem Waldspaziergang schon einmal über einen dicken Baumstamm gestiegen, der auf dem Boden lag? Stell dir vor, du streichst mit der Hand über seine Rinde, rau und kühl und ein bisschen feucht. Dieser Stamm war früher ein hoher Baum, der kerzengerade zwischen den anderen stand.
Unter all den stehenden Bäumen bleibt der Boden kühl und schattig. Dort wachsen Farne und Moos ganz still, geschützt vor dem Wind. Was verändert sich also unten auf dem Waldboden, wenn ein großer Baum umfällt?
Hoch über dem Waldboden breiten die Baumkronen ihre Blätter und Äste dicht nebeneinander aus. Zusammen bilden sie das Kronendach, also das Dach aus Blättern über dem ganzen Wald. Das Kronendach fängt das meiste Sonnenlicht auf, deshalb kommen unten am Boden nur kleine Lichtflecken an.
Wenn ein großer Baum umstürzt, reißt er sein eigenes Stück vom Kronendach mit herunter. Jetzt ist genau dort, wo der Baum gestanden hat, ein Loch im Kronendach. Vom Boden aus kannst du direkt hindurchschauen und den offenen Himmel sehen.
Helles Sonnenlicht strömt durch das Loch und fällt auf den Waldboden. Dieses Stück Boden wird zum ersten Mal seit vielen Jahren warm und hell. Dort im Schatten haben winzige Pflanzen schon lange gewartet. Was glaubst du, was sie jetzt tun?
Sie wachsen! Diese kleinen Pflanzen sind Sämlinge, das sind junge Bäume, die aus Samen gewachsen und noch ganz klein sind. Pflanzen machen sich mit Sonnenlicht ihre Nahrung, und mit so viel neuem Licht wachsen die Sämlinge jetzt schnell.
Alle Sämlinge auf dem sonnigen Fleck wachsen um die Wette nach oben, und jeder streckt sich zum Loch im Kronendach. Bald drängen sich auf dem hellen Fleck am Waldboden lauter junge grüne Bäume.
Währenddessen liegt der umgestürzte Baum auf dem Boden, und auch er verändert sich. Käfer nagen Gänge unter seine Rinde, und auf dem feuchten Holz wachsen Pilze. Sie fressen das Holz, und so wird es langsam immer weicher und mürber.
Der weiche Stamm wird dabei auch zu einem Zuhause. Schnecken, Würmer und Salamander kriechen in seine kühlen, feuchten Ritzen. Dort können sie sich vor hungrigen Vögeln verstecken und ihre Haut feucht halten.
Nach vielen Jahren ist der Stamm so morsch, dass er zu weichen braunen Krümeln zerfällt. Das weiche Holz vermischt sich mit dem Boden und wird zu fruchtbarer Erde, voll mit guten Dingen, die Pflanzen zum Wachsen brauchen. Die jungen Bäume ringsum saugen diese guten Dinge mit ihren Wurzeln auf.
Kronendach und Sämlinge. Wenn ein Baum umfällt, hinterlässt er ein Loch im Kronendach, deshalb erreicht Sonnenlicht den Boden und die Sämlinge wachsen schnell, während Käfer und Pilze den Stamm zu einem Zuhause und zu neuer Erde machen.
Wenn du das nächste Mal einen umgestürzten Baumstamm siehst, kannst du dem kleinen neuen Wald, der rundherum wächst, leise Hallo sagen.









